Quo vadis Helvetia?

 frauenfeld

Es mögen einige Jahrzehnte ins Land gegangen sein, damals war ich vielleicht etwa 15 Jahre alt. Damals habe ich dieses Land zum ersten Mal bewusst als mein Heimatland wahrgenommen. Mir wurde auch klar, was für Anstrengungen, Entbehrungen und Ängste für die Freiheitserhaltung seit der Gründung der Eidgenossenschaft ausgestanden werden mussten. Keiner kann sich das heute, im satten Wohlstand des 21. Jahrhunderts mehr vorstellen. 
Voll Ehrfurcht und Respekt besuchten wir damals die Orte der Gründung, standen da und  dankten den Alten für das unermessliche Geschenk der Freiheit. Gelobten da unverbrüchliche Treue zum Vaterland und in Zeiten der Not mit Leib und Leben dafür  einstehen zu wollen. 
„Law and Order“ herrschten, nicht angeordnet, einfach angeboren.  Felix Helvetia! 

Heute, viele Jahre später, ist der Respekt geblieben. Respekt für ein Land das im Grossen und Ganzen nach wie vor gut organisiert ist, dank zuverlässiger Leute die täglich ihren Dienst tun. Allerdings sind im zunehmenden Masse Zocker am Werk, die ausschliesslich die Absicht haben, diesen Staat und seine Institutionen zu missbrauchen, auszuhöhlen und abzuzocken. 
Das gilt im gleichen Masse für Zugewanderte wie für Einheimische, für Politiker wie für Arbeitnehmer und vor allem für Kaderleute in den obersten Etagen. Dabei denke ich an die Ungeheuerlichkeit Managerabfindungen in Millionenhöhe für das Versagen am Arbeitsplatz zu zahlen, anstatt dieses Diebespack vor Gericht zu stellen. Manager die sich erdreisten, ein vor dem Ruin stehendes Unternehmen ganz legal auszuhöhlen und den Scherbenhaufen der Gemeinschaft zu überlassen. Dabei denke ich an die jüngste Story um die UBS. Das unverschämte Zugreifen in die fast leeren Kassen der namentlich bekannten Manager und Banker. Die Unfähigkeit der Gesellschaft, solchen CEOs und VR das Handwerk zu legen. Oder das Abzocken der Versicherungen durch Kleinbetrüger, das Faulenzen auf Kosten der Allgemeinheit, das Aushöhlen unserer Fürsorgeeinrichtungen.

Das alles gibt Anlass zum Denken.

Oder die Strassenränder und Autobahnborde im Mittelland, die zur Kloake geworden sind, weil es billiger ist, den Abfall auf diese Art zu entsorgen. Immer wenn ich durch das Mittelland fahre, wird mir dies in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Littering nennt man das heute, ein tolles Wort für eine ganz grosse Sauerei! Der schleichende, dekadenzverdächtige Wertezerfall. Die Orientierungslosigkeit und der Materialismus der Discogeneration, die unsere Religion mit dem Mammon vertauscht hat.  Wenn mir ein junger Hauptmann klagt, dass ein Fünftel seiner Kompanie regelmässig kifft und dass sich diese zerstörerische Lebensweise als Kultur etabliert und damit legalisiert wird, lässt aufhorchen. Die Ohnmacht des Staates gegenüber steigender Kriminalität. Die lähmende Unfähigkeit unserer obersten Regierung, längst fällige politische Reformen in die Hand zu nehmen. Anstatt zu führen, verwalten sie Ihre Departemente. Erklärungen für ihr Versagen liest man täglich in der Zeitung. Dabei gibt es Erfahrungswerte die da heissen: Anordnen, delegieren, kontrollieren korrigieren, ersetzen. Getreu dem Harzburger Führungsmodell aus den 50er Jahren, welches auch im 21. Jh. seine Berechtigung hat. Dann die Zerstörung nationaler Werte wie der Swissair oder die Fastpleite der UBS durch unfähige, habgierige Dilettanten. 

Um nur ein paar wenige Dinge zu nennen.

Am schlimmsten aber hat mich die offizielle Aufführung an unserem Nationalfeiertag zur Bundesfeier an der Expo02 am 1. August betroffen gemacht:  Auf der Bühne kopulierende Schweizer, als Affen dargestellt! Das hat mit Provokation nichts mehr zu tun, das ist einfach nur pervers. Ich war damals im Engadin und habe diese Aufführung zusammen mit Freunden aus Deutschland am Schweizer Fernsehen DRS beobachtet, wir waren alle entsetzt! Auch als Bundesrat Samuel Schmid eigenhändig zuerst eine Schweizerfahne am Rednerpult befestigen musste, weil es offenbar nicht mehr opportun ist Flagge zu zeigen, hat kein Offizieller nur ein Wort darüber verloren. Ein einziger grosser Skandal und niemand ist eingeschritten.  Ein Land das so etwas ungestraft zulässt, muss schleunigst über die Bücher, oder es wird in Lethargie versinken und degenerieren. Beispiele dafür sind aus der Geschichte zu lernen: 
Vor 1700 Jahren bauten die Römer vor dem eleganten Forum Romanum mehrstöckige Häuser mit Zentralheizung, Trinkwasserversorgung und Badeanlagen; 200 Jahre später weideten die Schafe im Forum Romanum und von der ehemaligen Hochkultur zeugten nur noch die zerfallenden Prachtsbauten.  Quo vadis Helvetia?

Homer 01.02.2018